Der Weißabgleich in der Fotografie korrigiert Farbstiche, die durch unterschiedliche Lichtquellen entstehen, sodass weiße Objekte neutral weiß wiedergegeben werden. Er passt die Farbtemperatur in Kelvin (z. B. warmes Licht bei 3000 K oder kühles bei 7000 K) und den Farbton an, um natürliche Farben zu erzielen. Bei Nikon Z Kameras wird er über das Menü oder die WB-Taste eingestellt, oft mit Automatik, Voreinstellungen wie Sonne oder Glühlampe oder manueller Referenzmessung.
Verhalten bei JPG
Bei JPG-Dateien wird der Weißabgleich bereits in der Kamera festgelegt und in der Nachbearbeitung nur begrenzt korrigierbar, da das 8-Bit-Format weniger Daten enthält. Eine falsche Einstellung führt zu dauerhaften Farbfehlern, weshalb präzise Anpassung vor der Aufnahme entscheidend ist.
Verhalten bei RAW
RAW-Dateien (bei Nikon NEF) speichern den Sensor-Daten unverändert mit 12-14 Bit Farbtiefe, sodass der Weißabgleich nachträglich in Software wie Capture NX-D, Lightroom oder Photoshop vollständig und verlustfrei geändert werden kann. Die Kameraeinstellung dient nur als Metadaten-Empfehlung für die Vorschau. Teilweise kann man lesen, dass auch beim Fotografieren im RAW Modus das Bild abhängig vom Weißabgleich anders aufgenommen wird. An dieser Stelle möchte ich aber behaupten, dass es bei korrekter Belichtung (alle Bereiche von ganz dunkel bis ganz hell werden korrekt dargestellt, das Bild ist also nicht unterbelichtet oder überbelichtet) keine Beeinflussung gibt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein korrekter Weißabgleich jegliche Farbstiche verhindert. So kann zum Beispiel in einer Landschaftsaufnahme bei blauem Himmel und Schnee am Boden dieser Schnee einen leichten Blaustich bekommen. Unser Gehirn wird den Schnee vor Ort immer in weißer Farbe wahrnehmen und entsprechend sehen wir den Schnee auch in Weiß. Die Kamera hingegen wird hier keine Korrektur vornehmen, sondern sie wird den Schnee leicht bläulich einfärben. In der Nachbearbeitung sollte dann allerdings in Photoshop oder mit einer ähnlichen Software hier der Schnee wieder in den weißeren Bereich gebracht werden.
Warum ist das so? Ich möchte versuchen, eine Erklärung dafür am Beispiel von schräg zulaufenden Linien in der Weitwinkel Fotografie zu geben:
Unser Gehirn nimmt schräg laufende Linien eines Hochhauses als gerade wahr, weil es durch jahrelange Erfahrung mit Perspektive und Tiefe eine Größenkonstanz anwendet und die Linien automatisch als parallel zur Schwerkraftrichtung interpretiert. Es berücksichtigt Kontextfaktoren wie den Horizont und die bekannte Geometrie von Gebäuden, um eine stabile 3D-Welt zu konstruieren, statt die rohe 2D-Projektion auf der Netzhaut zu akzeptieren. Eine Kamera hingegen zeichnet lediglich die tatsächliche optische Projektion auf dem Sensor auf, ohne jegliche Interpretation oder Korrektur für die Perspektive. Dadurch erscheinen die Linien verkantet, da sie den realen Konvergenzeffekt der Strahlen abbilden, der durch den Weitwinkel und den Standpunkt entsteht. Dieser Unterschied liegt in der fehlenden kognitiven Verarbeitung der Kamera, die keine Lernerfahrungen oder keinen Kontext nutzt.
Ähnlich korrigiert unser Gehirn auch die Farbe von sauberem Schnee und wird diesen Schnee quasi vom blauen Farbstich „befreien“. Das kann die Kamera hingegen nicht. Schauen wir uns nun ein gedrucktes Foto an, konvergiert unser Gehirn jedoch nur die quadratische oder rechteckige Form des gedruckten Bildes und die Farbe des ohnehin nicht immer ganz weißen Druckpapiers, nicht jedoch die darauf abgebildete Darstellung.
Wir haben nun gelernt: das Bild wird dann eine farbneutrale Darstellung haben, wenn der Weißabgleich stimmt. Nur wann stimmt dieser? Entweder ich erinnere mich an die Wahrnehmung, als ich die Aufnahme gemacht habe, vorausgesetzt ich habe eine perfekte Wahrnehmung von Farben, oder ich verwende eine Farbkarte und erstelle eine Testaufnahme. Damit kann ich später eine Farbneutralität mit einer Nachbearbeitung wie im Photoshop jederzeit und sehr einfach wieder herstellen.